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  4. Urteile und Beschlüsse
  5. Bundesgerichtshof BGH
  6. Jahrgang 2011

II ZR 224/08, II ZR 271/08, II ZR 100/09, II ZR 174/09, II ZR 215/09, II ZR 216/09, II ZR 217/09, II ZR 218/09 - Haftung von Treugebern einer KG

  • sophme
  • 31. Juli 2020 um 00:44
  • 489 mal gelesen
  • Die gesetzliche Haftung des Kommanditisten für Schulden der Gesellschaft in Höhe seiner Einlage trifft unmittelbar nur die Treuhänderin

    Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Insolvenzverwalter eines insolventen Immobilienfonds in der Form einer Kommanditgesellschaft von Anlegern des Fonds aus abgetretenem Recht der Treuhandkommanditistin Rückzahlung von Ausschüttungen verlangen kann, soweit dadurch die Einlagen der Anleger zurückgewährt wurden.

    Die Anleger, die sich über eine Treuhandkommanditistin an den Falk-Fonds Nr. 68 und Q 1 beteiligt hatten, erhielten jährliche Ausschüttungen in Höhe von ca. 5 % ihrer über die Treuhänderin geleisteten Einlagen. In den acht Verfahren, in denen der Bundesgerichtshof heute seine Urteile verkündet hat, waren die Klagen, mit denen der Insolvenzverwalter von den Anlegern Rückzahlung der Ausschüttungen verlangt hat, von einzelnen Land- und Oberlandesgerichten abgewiesen worden, bei anderen hatten sie (teilweise) Erfolg.

    Der Bundesgerichtshof hat die Klagen überwiegend für begründet erachtet. Bei den den Falk-Fonds Q 1 betreffenden Verfahren hat der Bundesgerichtshof dem Kläger jeweils einen Anspruch auf Rückzahlung sämtlicher Ausschüttungen zuerkannt. Dieser Fonds hatte von Anfang an Verluste erwirtschaftet, so dass durch alle Ausschüttungen die über die Treuhandkommanditistin gezahlten Einlagen der Anleger wieder zurückgewährt wurden und dadurch die Haftung zunächst der Treuhandkommanditistin und in deren Folge auch die Haftung der Anleger für Verbindlichkeiten des Fonds gegenüber Gläubigern der Gesellschaft wieder ausgelöst wurde. Der Falk-Fonds Nr. 68 hatte dagegen in den Anfangsjahren Gewinne erwirtschaftet, so dass die Ausschüttungen nicht vollständig zurückbezahlt werden müssen.

    Der Bundesgerichtshof hat die Ansicht bestätigt, dass die gesetzliche Haftung des Kommanditisten für Schulden der Gesellschaft in Höhe seiner Einlage unmittelbar nur die Treuhänderin trifft. Diese kann jedoch verlangen, dass die Anleger sie von ihrer Haftung freistellen. Aufgrund der an den Insolvenzverwalter abgetretenen Freistellungsansprüche der Treuhandkommanditistin sind die Anleger diesem zur Zahlung in Höhe der Ausschüttungen verpflichtet, soweit diese zur Rückgewähr der Kommanditeinlagen geführt haben. Die Abtretung verstößt weder gegen ein gesetzliches noch gegen ein vertragliches Abtretungsverbot. Den von den Anlegern erhobenen Einwand der Verjährung sowie die Aufrechnung mit Schadensersatzansprüchen hat der Bundesgerichtshof für nicht durchgreifend erachtet.

    Urteile vom 22. März 2011

    AZ: II ZR 224/08 // II ZR 271/08 // II ZR 100/09 // II ZR 174/09 // II ZR 215/09 // II ZR 216/09 // II ZR 217/09 // II ZR 218/09 - PM BGH 45/11

    II ZR 224/08

    AG Duisburg-Ruhrort - Entscheidung vom 28. September 2007– 8 C 499/06

    LG Duisburg – Entscheidung vom 14. August 2008 – 5 S 114/07

    und

    II ZR 271/08

    LG Düsseldorf – Entscheidung vom 4. Dezember 2007 – 16 O 538/06

    OLG Düsseldorf – Entscheidung vom 20. November 2008 – 6 U 8/08

    und

    II ZR 100/09

    LG Köln – Entscheidung vom 24. Juni 2008 – 22 O 42/08

    OLG Köln – Entscheidung vom 2. April 2009 – 18 U 102/08

    und

    II ZR 174/09

    LG Marburg – Entscheidung vom 21. Mai 2008– 2 O 403/07

    OLG Frankfurt – Entscheidung vom 25. Juni 2009 – 15 U 101/08

    und

    II ZR 215/09

    LG Waldshut-Tiengen – Entscheidung vom 13. Dezember 2007– 1 O 313/06

    OLG Karlsruhe – Entscheidung vom 6. August 2009– 4 U 11/08

    und

    II ZR 216/09

    LG Waldshut-Tiengen – Entscheidung vom 13. Dezember 2007 – 1 O 311/06

    OLG Karlsruhe – Entscheidung vom 6. August 2009 – 4 U 9/08

    und

    II ZR 217/09

    LG Waldshut-Tiengen – Entscheidung vom 13. Dezember 2007 – 1 O 312/06

    OLG Karlsruhe – Entscheidung vom 6. August 2009 – 4 U 10/08

    und

    II ZR 218/09

    LG München I – Entscheidung vom 30. Oktober 2008 – 12 O 24156/07

    OLG München – Entscheidung vom 23. Juni 2009 – 5 U 5492/08

    • Gesellschaftsrecht
    • KG
    • Haftung Kommanditist
    • Treuhänderin
    • Treugeber
    • Kommanditgesellschaft
  • Vorheriger juristi.kon Fachbegriff I ZR 150/09 - Zur Haftung des Admin-C
  • Nächster juristi.kon Fachbegriff II ZR 229/09 - Anfechtung des Überschussbeschlusses
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Kurz informiert - News

  • Bundesregierung plant strengeren Jugendschutz in sozialen Netzwerken: Die Bundesregierung hat am 14. Oktober Eckpunkte für einen besseren Kinder- und Jugendmedienschutz beschlossen. Für Kinder unter 13 Jahren soll die Nutzung sozialer Netzwerke grundsätzlich untersagt werden. Für Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren sind abgestufte Beschränkungen vorgesehen. Auch die Altersverifikation und der Schutz vor Gefahren durch KI sollen verbessert werden. Mehr erfahren ...
  • Produkthaftung wird auf Software und KI ausgeweitet: Der Bundestag hat am 9. Oktober einer Modernisierung des Produkthaftungsrechts zugestimmt. Künftig sollen auch Software und Künstliche Intelligenz ausdrücklich unter die Produkthaftung fallen. Zudem werden die Verantwortlichkeiten entlang internationaler Lieferketten erweitert und die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen erleichtert. Mehr erfahren ...
  • Mehr Schutz für Opfer häuslicher Gewalt: Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der Betroffene häuslicher Gewalt besser schützen soll. Geplant sind Änderungen bei familiengerichtlichen Verfahren, darunter neue Zuständigkeitsregeln zum Schutz vertraulicher Aufenthaltsorte und eine engere Zusammenarbeit der beteiligten Fachkräfte. Mehr erfahren ...
  • Digitales Führungszeugnis seit Oktober verfügbar: Seit Oktober können Bürgerinnen und Bürger ein Führungszeugnis bei der Onlinebeantragung auch in digitaler Form erhalten. Das Dokument wird über ein sicheres Verfahren an das persönliche BundID-Konto übermittelt. Damit sollen Verwaltungswege vereinfacht und Bearbeitungszeiten verkürzt werden. Mehr erfahren ...
  • EU verschärft Vorschriften für bestimmte PFAS-Chemikalien: Seit dem 10. Oktober gelten in der EU neue Beschränkungen für die Verwendung der PFAS-Untergruppe PFHxA. Betroffen sind unter anderem bestimmte Textilien, Lebensmittelverpackungen und Kosmetikprodukte. Die Regelungen sollen Verbraucher und Umwelt besser vor langlebigen Schadstoffen schützen. Mehr erfahren ...

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