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  3. Steuerrecht

EOP-Methode

  • klaus25
  • 17. Dezember 2025 um 11:59
  • 202 mal gelesen
  • Rechtsgebiet: Steuerrecht; Mietrecht

    1 Was ist die EOP-Methode?

    Die EOP-Methode (EOP = Ertragsorientierte Pachtwertmethode) ist ein betriebswirtschaftliches Rechenmodell, mit dem geschätzt wird, welche Pacht ein „durchschnittlich gut wirtschaftender“ Pächter zahlen könnte.

    Sie fragt also nicht:

    Zitat

    Was wird für dieses Objekt am Ort tatsächlich gezahlt?

    sondern:

    Zitat

    Was könnte ein normal qualifizierter Betreiber aus dem Objekt erwirtschaften und davon als Pacht zahlen?


    2 Wie funktioniert die EOP-Methode vereinfacht?

    Die Methode läuft in etwa so ab:

    1. Ausgangsbasis: erwarteter Umsatz
      Es wird geschätzt, welchen Umsatz ein durchschnittlicher Betreiber (z. B. einer Gaststätte) erzielen kann.
    2. Abzug typischer Kosten
      Davon werden pauschal oder statistisch abgezogen:
      • Personal
      • Wareneinsatz
      • laufende Betriebskosten
      • sonstige Aufwendungen
    3. Ermittlung des „verfügbaren Ertrags“
      Übrig bleibt der Betrag, der rechnerisch für:
      • Unternehmergewinn und
      • Pacht
        zur Verfügung steht.
    4. Ableitung der Pacht
      Aus diesem Rest wird eine „wirtschaftlich tragbare“ Pacht berechnet.

    ➡️ Ergebnis: eine theoretisch erzielbare Pacht, nicht zwingend eine am Markt tatsächlich gezahlte.


    3 Wofür wird die EOP-Methode typischerweise genutzt?

    Die EOP-Methode wird vor allem eingesetzt bei:

    • Spezialimmobilien (Gaststätten, Hotels, Kinos, Freizeitobjekte)
    • Objekten, bei denen es kaum Vergleichsobjekte gibt
    • betriebswirtschaftlichen Bewertungen, z. B.:
      • Investitionsentscheidungen
      • Bankenbewertungen
      • Unternehmensbewertungen

    ➡️ Nicht originär für steuerliche Vergleichsmieten gedacht, sondern für wirtschaftliche Tragfähigkeitsrechnungen.


    4 Warum ist die EOP-Methode steuerlich problematisch?

    Der BFH kritisiert die Methode aus mehreren Gründen:

    4.1 1. Kein Blick auf den örtlichen Markt

    Die EOP-Methode:

    • arbeitet mit Durchschnittswerten
    • abstrahiert von konkreten örtlichen Besonderheiten
    • bildet den Markt nur global, nicht lokal ab

    Das Steuerrecht verlangt aber ausdrücklich:

    Zitat

    den örtlichen Markt („ortsübliche Marktmiete/-pacht“)


    4.2 2. Falsche Fragestellung

    SteuerrechtEOP-Methode
    Was wird am Ort tatsächlich gezahlt?Was könnte ein Betreiber zahlen?
    MarktpreisWirtschaftliche Leistungsfähigkeit
    ObjektbezogenBetreiberbezogen

    ➡️ Damit beantwortet die EOP-Methode eine andere Frage, als das Steuerrecht stellt.


    4.3 3. Gefahr der „Scheingenauigkeit“

    Die Methode erzeugt:

    • exakte Zahlen
    • scheinbar objektive Ergebnisse

    In Wahrheit beruhen diese Zahlen aber auf:

    • Annahmen
    • pauschalen Erfahrungswerten
    • statistischen Durchschnittsdaten

    Der BFH hält diese Genauigkeit für trügerisch, wenn es um den konkreten Markt geht.


    5 Was sagt der BFH konkret?

    Der BFH stellt klar:

    • Ein Sachverständiger darf nicht an der ortsüblichen Marktmiete „vorbeirechnen“.
    • Die Grenze ist überschritten, wenn etwas anderes ermittelt wird als die ortsübliche Marktpacht.
    • Die EOP-Methode ermittelt keine Marktpacht, sondern eine betriebswirtschaftlich tragbare Pacht.
    • Das genügt steuerlich nicht.

    6 Was ist stattdessen zulässig?

    Auch wenn es schwierig ist:

    • Schätzung ist erlaubt
    • Einschaltung eines ortskundigen Sachverständigen oder Maklers
    • Orientierung an:
      • regionalen Erfahrungswerten
      • tatsächlichen Vertragsgestaltungen
      • vergleichbaren Nutzungen (auch mit Anpassungen)

    ➡️ Selbst eine unscharfe, unsichere Schätzung ist besser als ein rechnerisch exaktes, aber marktfernes Modell.


    7 Merksatz für die Praxis

    Zitat

    Die EOP-Methode sagt, was wirtschaftlich möglich ist – das Steuerrecht fragt, was am Ort üblich ist.

    • Steuerrecht
    • Betriebswirtschaft
    • ortsübliche Miete
    • Marktmiete
    • EOP-Methode
    • Pacht
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